Grönland Juli 2017

Reisebericht 17.07.17 – 31.07.17: „Kajak-Tour Ostgrönland“

Autor/in: Sepp Clemens

Nach beeindruckenden Reisen durch Island und Lappland stellte sich für mich die Frage, ob es irgendetwas im Norden gibt, was das Ganze noch toppen könnte. Und ich hatte es bald gefunden: Grönland - und das ganze auch noch per Kajak. Die Entscheidung war schnell gereift, meine Frau mit etwas Geduld überzeugt. Ein letzter Test - Winterpaddeln im Spreewald - gab uns die Gewissheit, dass Kajakfahren auch im Winter sehr schön sein kann.

 

 

 

 

 

Stockfisch wird zum Trocknen aufgehängt

1. Tag: Flug nach Island

Die erste Nacht verbringen wir in Reykjavik auf einem Campingplatz. In Grönland übernachten wir in der Wildnis. Bäche und Seen dienen uns als Waschmöglichkeiten. Während der gesamten Reise übernachten wir in Doppeldachzelten.

2. Tag: Nach Grönland

Wir fliegen weiter nach Kulusuk auf Grönland. Schon der Anflug ist ein Erlebnis, denn es gibt nicht mehr als 10 Piloten, die auf diesem Flugplatz landen können, da komplett auf Sicht, bzw. das was im Nebel davon übrig bleibt, geflogen werden muss. Mit dem Boot geht es weiter nach Tasiilaq. Hier sehen wir bereits imposante Eisberge im Wasser schwimmen. Etwa ein Achtel des Eises befindet sich über dem Wasser, der Rest ist darunter.
Gefährlich ist das „schwarze Eis“, man sieht es schlecht und es kann einem schnell das Boot aufreißen, wenn man zu schnell dagegen fährt.
Unser heutiges Camp befindet sich 200 Meter entfernt vom Hafen – dieser ist bekannt für alte ausgebrannte Schiffe, die  als tolles Fotomotiv liegen gelassen werden. Unsere Zelte waren schon aufgebaut als wir im Camp ankamen. Zunächst haben wir unsere Trockenanzüge abgeholt und sind durch den Ort gewandert, der nur ein paar Hundert Einwohner hat.
Wir besuchen den Friedhof im „Tal der Blumen“. Zur Beisetzung eines jeden Toten muss eine Sprengung in die harte Erde gemacht werden. Nicht überall wird das so gemacht, manchmal häuft man nur Steine über die Toten. Es handelt sich meist um anonyme Gräber.

Verlassene Boote vor malerischer Kulisse

Ein Fenster im Eisberg

3. Tag: Kong-Oscar-Fjord

In ruhigem Gewässer machen wir uns mit unseren Kajaks vertraut. Berge bis zu 1.000 Meter umsäumen den Fjord. Die meisten Menschen glauben zwar, dass Grönland Dauerwinter mit Eis und Schnee bedeutet. Doch weit gefehlt: auch in Grönland gibt es einen zwar kurzen Sommer, aber dennoch angenehme Temperaturen, die zum Wandern und Kajaken förmlich einladen. Natürlich ist man permanent von Gletschern und Eis umgeben, aber genau dazu sind wir ja hier.

4. Tag: Bootsfahrt nach Tiniteqilaq

Mit Motorbooten fahren wir über den Ammassalik-Fjord und den schmalen Ikasatsivaq-Fjord in Richtung Tiniteqilaq. Angekommen im kleinen Jägerdorf mit seinen etwa 120 Einwohnern, schlagen wir südlich des Ortes unser erstes Wildniscamp auf und erhalten bei einem Dorfrundgang erste Einblicke in die Inuitkultur.

Der Fjord wird von hohen Bergen eingerahmt

Kajaktour zwischen Eisbergen

5.-11. Tag: Kajak-Abenteuer

Sieben volle Tage nehmen wir uns Zeit, den schönsten Fjord Ostgrönlands, den Sermilik-Fjord, samt seiner Seitenarme und Nebenfjorde zu erkunden. Unsere  wird von der jeweiligen Eissituation bestimmt. Sollte die Eislage es zulassen, queren wir den Sermilik-Fjord vorbei an unzähligen Eisbergen. In der Nähe des mächtigen Inlandeises schlagen wir am Westufer unser Lager auf. Jeden Tag ziehen andere Eisberge vorbei. Manchmal erwischt man sogar einen Sandstrand. Wenn Ebbe ist, sieht man den Tang, der sich am Ufer sammelt. Schön ist es, bis zur Spitze des Fjordes zum offenen Meer hin zu paddeln, aber das geht nicht immer, weil die Eisverhältnisse einen schnell einschließen können und man dann unter Umständen ein paar Tage im Boot verbringen muss. Man kleidet sich immer so, wie die Wassertemperatur ist, nicht wie die Luft, d.h. man trägt unter Umständen auch 1-2 Fließe unter dem Trockenanzug.
Mit den Seekajaks finden wir unseren eigenen Weg zwischen kleinen Inseln und Landzungen in den geschützten Stoklund-Fjord und suchen uns einen Platz für unser Basislager am Nordostufer. Die Boote müssen weit hoch getragen werden, damit sie die Flut nicht erfasst. Durch den schmalen, wunderschönen Hundefjord fahrend, nähern wir uns bedächtig dem gigantischen Eisschild und schlagen unsere Zelte schließlich in einer traumhaften Bucht am Fuße des Inlandeises auf. Abends zieht ein Eisnebel hoch.
Auf einer Wanderung genießen wir fantastische Ausblicke auf den eisbepackten Johann-Petersen-Fjord und das Inlandeis. Wir bahnen uns unseren Weg an der Ostküste entlang gen Süden und erreichen die historische Jägersiedlung Pupik, mit Überresten der traditionellen Erdhäuser. Gejagt wird noch immer: Robbenfleisch wird zum Trocknen aufgehängt, auch Eisbären werden gejagt und gegessen. Rohes Walfleisch sieht fast schwarz aus, wird gekocht und schmeckt ähnlich wie Tafelspitz vom Rind.
Unsere Reise führt uns weiter nach Ukeriavajik mit seinem traumhaft schönen Sandstrand, bevor wir die Sermilik-Station erreichen, eine kleine Forschungsstation von Glaziologen nahe des Mitivagkat-Gletschers. Wir wandern durch das Gletschertal hinauf zur Gletscherzunge und genießen tolle Ausblicke auf das Eismeer. Danach paddeln wir auf einem Tagesausflug zum Ausgang des Eisfjordes und werden schließlich mit atemberaubenden Ausblicken auf den Nordatlantik belohnt. Grauwale tauchen oft durch die Eisberge durch – ein besonderes Erlebnis wenn die Wale direkt unter den Booten entlangtauchen. Je blauer das Eis ist, umso brüchiger ist es. Ab und zu lässt sich auch mal eine Robbe sehen. Im verlassenen Jägerdorf Íkáteq gehen wir an Land und können die bewegte Geschichte der Inuit nachvollziehen. Die Felsen, bestehend aus Rothorn, leuchten am Abend in der Sonne.

 

12. Tag: Zurück aus der Einsamkeit

Mitsamt unserer Ausrüstung gelangen wir mit Motorbooten zurück nach Tasiilaq. Hier können wir einen Berg besteigen, ca. 800 Meter mit genialer Sicht.

13. Tag: Auf eigene Faust

Heute machen wir einen Motorbootausflug ins Inlandseis, wo wir mit unserem Guide einen Gletscher besteigen. Gletschererfahrung ist vorteilhaft, denn es gibt gigantische Spalten. Die Sedimente darin sind ausgetrocknet und schwarz.

Gletscher mit dunklen Spalten

Wolken über Kulusuk

14. Tag: Zurück nach Island

Fazit unserer Grönland-Expedition: Nur zwei Tage Regen. Es gibt aber auch Tage, an denen es schneien kann. Die Boote bringen uns zurück nach Kulusuk, von wo aus wir wieder nach Reykjavik fliegen und unser bereits bekanntes Camp beziehen.

15. Tag: Reykjavik

Wir sehen uns noch einmal die isländische Hauptstadt an. Tagsüber 18 Grad, nachts noch Plusgrade. Am späten Abend Fahrt zum Flughafen Keflavik.

16. Tag: Rückreise

Kurz nach Mitternacht fliegen wir nach Hause, wo wir  am frühen Morgen ankommen.