Spitzbergen Juni 2015

Reisebericht 03.06.15 – 12.06.15: „Kreuzfahrt durch das Reich der Eisbären“

Autor/in: Kristina Homann-Kümmel

Über eine faszinierende Expeditions-Kreuzfahrt zu Walrossen, Eisbären und anderen Arktisbewohner berichtet dieser Reisebericht Spitzbergen.

Spitzbergen - Longyearbyen

Spitzbergen, Longyearbyen © K. Homann-Kümmel

Den ersten Eisbären sehe ich am Gepäckband im Flughafen von Longyearbyen, allerdings nur ausgestopft. Glücklicherweise. Einem lebenden Exemplar möchte ich zu Fuß nicht auf 3 Meter Entfernung begegnen. Draußen auf der anderen Seite des Isfjordes zieht sich eine Kette weißer Bergspitzen entlang ,die in der Sonne schimmern. Genau wie in Oslo (wo wir die vergangene Nacht verbracht haben) herrliches Wetter, allerdings hier nur plus 2 Grad Celsius. Nachdem wir uns im altmodisch-charmanten „Spitsbergen Hotel“ eingerichtet haben, breche ich mit einigen Mitreisenden zur Erkundung des Ortes auf. Bunte Häuser in den Farben der Tundra stehen auf Stützen im Permafrostboden, dazwischen die oberirdisch verlaufenden Versorgungsleitungen.
Wir schlendern talabwärts, immer mit dem herrlichen Blick auf den Isfjord, und entdecken wunderbare Einkaufsmöglichkeiten. Wir trinken draußen in hochpolarer Umgebung im Sonnenschein Milchkaffee mit warmen Zimtschnecken. Komplett irreal. Und nachts um 22:00 Uhr scheint mir die Sonne über die Bergspitzen genau aufs Kopfkissen.

 

Kreuzfahrtschiff Ortelius

Ortelius © K. Homann-Kümmel

Am nächsten Tag leichter Schneefall, gut geeignet für den Museumsbesuch und eine kleine Sightseeingtour. Die ersten Rentiere sehe ich mitten im Ort, wie sie die kargen, noch winterbraunen Gräser abknabbern. Nachmittags endlich Einschiffung auf der „Ortelius“, unserem Expeditionsschiff und sicheren Herberge für die nächsten Tage.
Nette Crew, gutes Essen, und der Nordatlantik zeigt gleich nach dem Verlassen des Isfjordes seine Zähne. Ich verschlafe das Geschaukel und wache am nächsten Tag am Eingang des Liefdefjordes in ruhigem Fahrwasser auf. Trotz tiefhängender Wolken ein wunderbarer Anblick, Gletscherfronten am Ufer des Fjords vor dick verschneiten Bergen. Stehe in dicker Montur mit Fernglas und Teleobjektiv stundenlang an Deck, fasziniert von dieser fremden, wunderbaren Landschaft. Am Fjordende noch Eis vor dem Monacobreen, einem der schönsten Gletscher Spitzbergens. Wir sehen viele Vögel, Robben und wahrhaftig die ersten Eisbären in der Ferne. Auf einer Eisscholle machen mehrere Walrossbullen in aller Seelenruhe ein Verdauungsschläfchen und lassen sich auch nicht dadurch stören, dass wir mit den Zodiacs vorsichtig bis auf 20 Meter an sie heranfahren.

 

Walrosse auf Spitzbergen

Walrosse auf Spitzbergen © K. Homann-Kümmel

Wir fahren weiter nach Osten in die Hinlopenstraße um Meereis und dessen Bewohner zu finden. Am nächsten Tag strahlender Sonnenschein, und tatsächlich tauchen gegen Mittag erste Eisschollen und kleine Eisberge auf. Und dann das erste Packeis, flirrend weiße Eisgebilde vor blauem Himmel. Herrlich, unwirklich zugleich, genauso hatten wir alle es erhofft.
Wir fahren langsam an der Eiskante entlang, doch sichten wir leider nur ab und zu vereinzelte Walrösser, gelegentlich Eissturmvögel, die ohne Flügelschlag neben dem Schiff hergleiten. Insgesamt sehr tierarmes Eis. Gegen 11:00 Uhr überrascht uns die Crew an Deck mit heißem Kakao: Luxus pur.
Gegen Abend drehen wir um mit dem Ziel: Westküste von Nordaustland und passieren kurz vor Mitternacht bei hellem Sonnenschein Alkefjellet, eine Basaltwand, die sich wie aus Orgelpfeifen aus dem Wasser erhebt, bewohnt von Dickschnabellummen in unfassbarer Menge. Auf jedem Felssims drängen sich die schwarzweißen Vögel. Wir fahren ganz dicht daran vorbei und haben einen ausgezeichneten Blick auf das Gewusel.
Am nächsten Tag sucht sich die „Ortelius“ langsam ihren Weg durchs Packeis, ich höre es am Rumpf entlang kratzen und schaben. Durchaus unheimlich. Weiterhin herrliches Wetter. Im Schnee sind die ersten Eisbärenspuren zu sehen.

 

Eisbärenspuren

Eisbärenspuren © K. Homann-Kümmel

Irgendwo hier muss einer sein. Und dann beim Lunch die Ansage: Eisbär auf 9:00 Uhr gesichtet = links vom Schiff. Alle lassen die Gabel fallen und stürzen an Deck. Und wahrhaftig, zuerst nur im Fernglas als beiger Punkt zu erkennen in all dem Weiß, nähert sich neugierig eine Eisbärin unserem Schiff bis auf ca. 150 Meter. Wir sind alle wie gebannt, keiner spricht ein Wort. Die Königin der Eiswüste beehrt uns mit ihrem Besuch und entfernt sich dann langsam, nachdem sie wohl festgestellt hat, dass wir nicht ihr Lunch werden.
Am Nachmittag dann noch eine zweite Eisbärenbegegnung, ein mageres Männchen kam noch etwas dichter. Und wir bekamen im Packeis abends Barbecue an Deck! Nachts blieb das Schiff in dieser Eislücke geparkt, am nächsten Tag weiter erfolgreiche Eisbärensuche im zunehmend dichten Eis vor den Seven Islands. Ein großes Männchen hat eine Bartrobbe geschlagen und steht erschöpft daneben, um sich erst mal wieder abzukühlen nach den Anstrengungen der Jagd. Ringsum Eismöwen und Elfenbeinmöwen, die einen Krach machen wie in Sylt, wo sie sich um ein Fischbrötchen streiten. Wir bleiben stundenlang an der Eiskante liegen und können sehen, wie der Bär die Robbe häutet und nur das Leckerste frisst, nämlich den Blubber = Speck. Während er seinen Verdauungsschlaf neben der Robbe hält, nähert sich langsam ein anderes Männchen. Doch die beiden einigen sich schnell, sich die Beute zu teilen, denn sie sind gleich groß und kugelrund. Und halten dann mit etwas Abstand beide einen Verdauungsschlaf, und die Möwen kommen auch zu ihrem Abendbrot. Unglaubliche Beobachtung.

 

Eisbären auf Spitzbergen

Eisbären auf Spitzbergen © K. Homann-Kümmel

Am nächsten Tag fällt die geplante Panoramawanderung im Raudfjord aus wegen Nebel, doch am Nachmittag Ausbootung in der Nähe einer Walrosskolonie bei wieder schönem Wetter im Magdalenfjord. Abends geht es weiter Richtung Süden an der Westküste entlang; in klarem Sonnenschein fahren wir bis Mitternacht an den sieben Gletschern vorbei. Tief verschneite Bergspitzen und bläulich schimmernde Gletscher ziehen wie ein breites Band an uns vorbei. Ich sitze mit meinen netten Mitreisenden in der Beobachtungslounge, genieße dieses Bild bei superbem Pfälzer Riesling.
Am nächsten Tag Tundrawanderung im St. Jonsfjord. Ich bin immer ganz fasziniert davon, wie diese tapferen kleinen Pflanzen im Schotter wachsen und entzückend blühen. Keine Rentiere, dafür ein Schneehuhn und Strandläufer (Vögel). Weiter geht es zurück nach Longyearbyen und nach sehr kurzer Nacht der Heimflug. Ungeplant über Tromsö, aber die Spritlieferung nach Spitzbergen ist überfällig, und so muss das Flugzeug in Tromsö tanken.
Fazit: Es war wunderbar die Eisbären in ihrem natürlichen Habitat zu sehen, doch ich hätte ein 400 mm Tele dabei haben sollen.

Hier geht’s zur Reisebeschreibung: https://www.intakt-reisen.de/arktis-antarktis/spitzbergen/spitzbergen_eisbaeren/

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