Pantanal
Feuchtgebiet im Herzen Südamerikas
Allgemeine Informationen
Das Pantanal (von portugiesisch pântano) ist eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde und liegt im Herzen Südamerikas.
Im Jahr 2000 erklärte die UNESCO das Gebiet zum Biosphärenreservat. Ein Teil davon ist gleichzeitig Weltnaturerbe.
Es ist etwa 210.000 bis 230.000 Quadratkilometer groß (fast halb so groß wie Deutschland). Die größte Ausdehnung hat das Pantanal von November bis März (dann stehen große Teile des Gebiets metertief unter Wasser), zwischen April und September, in der Trockenzeit, sind es immerhin auch noch 140.000 km².
Es liegt zu zwei Dritteln in Brasilien (Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul) und zu einem Drittel in Bolivien und Paraguay. Es liegt zwischen den Großlandschaften der Trockenwälder und -savannen des Gran Chaco im Westen und der Feuchtsavanne des Cerrado im Osten. Die Region befindet sich in einer Flussniederung mit zahlreichen Süßwasserseen (im Süden auch isolierte Salzseen, sogenannte Salinas), die von zahlreichen Flüssen gespeist werden und vom Río Paraguay durchflossen werden. Der Río Paraguay ist der Hauptfluss, der das Gebiet speist und entwässert. Das Binnendelta wird von zahlreichen mäanderartigen Dammflüssen durchzogen, welche die Flussniederung in der Regenzeit und bei Hochwasser des Río Paraguay zum Großteil überschwemmen. Auch in der Übergangs- und Trockenzeit ist die Luftfeuchtigkeit noch sehr hoch.
Der Río Paraguay hat auf seinem 600 Kilometer langen Weg durch die Tiefebene des Pantanal ein Gefälle von nur 30 Metern. Deshalb kann das Wasser, das aufgrund der Niederschläge im nördlichen Hochland über zahlreiche Flüsse in das Becken abfließt, das Gebiet nur sehr langsam wieder Richtung Süden verlassen. So werden einmal im Jahr, während der Regenzeit von November bis März, weite Teile der Tiefebene überschwemmt und zwei Drittel des Gebietes stehen teilweise metertief unter Wasser. So entsteht ein komplexes System aus Savannen, riesigen überschwemmten Wasserflächen, regenwaldartigen Flussgaleriewäldern und Trockenwäldern, ebenso wie ein Mosaik aus Flüssen, Seen und seichten Lagunen, deren Ausdehnung und Größe vom jährlichen Wechselzyklus von Regen- und Trockenzeit bestimmt werden. Während der Regenzeit zieht sich das Vieh – aber auch die wilden Tiere – in die Trockenwälder und auf die Uferdämme der Flüsse zurück.
Das Pantanal mit seinen zahlreichen Flussarmen, Feuchtwäldern und Trockenzonen ist der Lebensraum von mehr als 1.700 Pflanzenarten, 240 Fischarten sowie rund 60 Amphibien- und 100 Reptilienarten. Es ist auch der Lebensraum von etwa 650 Vogelarten, darunter zahlreiche Papageienarten. Mit etwa 35 Millionen Kaimanen gibt es nirgendwo auf der Welt eine höhere Konzentration dieser Tiere.
Wenn der Río Paraguay von Oktober bis März das Pantanal überflutet, sind große Teile des Sumpfgebiets von riesigen Victoria-Seerosen bedeckt.
Nirgendwo auf der Welt werden Jaguare so groß wie im Pantanal. Hier können sie ein Gewicht von bis zu 158 Kilogramm erreichen. Passend dazu gibt es dort auch die größten Nagetiere der Welt: die bis zu 70 Kilogramm schweren Capybaras, die an riesige Meerschweinchen auf langen Beinen erinnern.
Pantanal: Die wichtigsten Fragen und Antworten (FAQ)
Wann ist die beste Reisezeit für das Pantanal?
Die beste Reisezeit für das Pantanal ist die Trockenzeit von Juni bis Oktober. Da das Wasser in dieser Zeit zurückgeht, versammeln sich viele Tiere an den verbliebenen Wasserstellen und Flüssen. Die Monate Juli bis September gelten als die beste Zeit für Jaguar-Safaris am Flussufer.
Die Straßen und Wege sind trocken und gut mit dem Auto oder Jeep befahrbar. Es regnet selten und das Klima ist deutlich weniger schwül als in der Regenzeit.
Je nach Interessen gibt es folgende Alternativen:
– Übergangszeit (April bis Mai): Die Landschaft ist noch saftig grün vom Regen, das Wasser sinkt langsam und es gibt extrem viele Vögel.
– Regenzeit (November bis Mai): Es ist sehr heiß und schwül, viele Wege stehen unter Wasser. Dafür blüht die Natur auf, es gibt weniger Touristen, allerdings sind viele Tiere weit verstreut und Moskitos lästig.
Wie viel kostet eine Pantanal-Tour?
Eine Pantanal-Tour kostet je nach Komfort, Dauer und Art der Reise zwischen 120 und 700 Euro pro Person und Tag.
Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der Preise für verschiedene Reisearten:
– Lokale Lodges und Tagestouren (vor Ort gebucht):
– Einfache Öko-Lodges/Pousadas: ca. 100 bis 250 Euro pro Nacht inklusive Vollpension und täglicher Safaris/Aktivitäten wie Bootstouren oder Reiten.
– Lokale Tagesausflüge: ca. 60 bis 150 Euro pro Person für geführte Bootstouren oder Jeep-Safaris ab Poconé oder Campo Grande.
– Luxus- oder Spezial-Lodges (z. B. Jaguar-Safaris): 350 bis 700 Euro (oder mehr) pro Nacht und Person.
Ist das Malaria-Risiko im Pantanal sehr hoch?
Im Vergleich zum Amazonasgebiet ist das Ansteckungsrisiko im Pantanal sehr gering.
In der Regel ist für eine reine Pantanal-Reise keine dauerhafte Einnahme von Malaria-Tabletten (Prophylaxe) erforderlich.
Aktuelle und offizielle Gesundheitshinweise finden Sie auf der Seite des Auswärtigen Amts.
Obwohl das Malariarisiko niedrig ist, gibt es im Pantanal viele andere Mücken. Schützen Sie sich gut gegen Stiche:
– Tragen Sie langärmelige und lange, helle Kleidung.
– Nutzen Sie ein gutes Mückenschutzmittel (Repellent).
– Nutzen Sie nachts ein Moskitonetz.
Für eine Reise nach Brasilien sollten Sie als Erstes Ihre Standardimpfungen nach dem Impfkalender der STIKO (wie Tetanus, Diphtherie, Polio und Masern) prüfen und auffrischen. Für die direkte Einreise aus Deutschland nach Brasilien besteht keine gesetzliche Pflicht für eine Gelbfieberimpfung (so das Auswärtige Amt).
Welche Tierarten sieht man im Pantanal?
Das Pantanal ist eine der artenreichsten Regionen der Welt. Hier leben über 650 Vogelarten, mehr als 120 Säugetierarten und unzählige Reptilien.
Das Pantanal ist der beste Ort weltweit, um Jaguare, die größte Raubkatze Südamerikas, in freier Wildbahn zu beobachten.
Capybaras (Wasserschweine): Die größten Nagetiere der Welt leben hier in großen Gruppen und können bis zu 60 kg schwer werden.
Riesenotter: Diese spielerischen Raubtiere werden bis zu 1,8 Meter lang und jagen gemeinsam in Familienverbänden.
Große Ameisenbären: Sie fallen durch ihre buschigen Schwänze und die lange Schnauze auf.
Tapire: Die grauen Rüsseltiere sind scheu und meist nachts oder im Wasser aktiv.
Affen: Brüllaffen und Kapuzineraffen turnen durch die Bäume.
Brillenkaimane: Im Pantanal leben über 10 Millionen Kaimane, die oft massenhaft an Flussufern zu sehen sind.
Anakondas: Die riesigen, ungiftigen Schlangen verstecken sich im Wasser und Schlamm.
Piranhas: Diese fleischfressenden Fische bevölkern viele Flüsse der Region.
Der Jabiru-Storch ist der Wappenvogel des Pantanals. Er hat einen charakteristischen roten Hals und wird bis zu 1,40 Meter groß.
Hyazinth-Aras: Die tiefblauen, großen Papageien fallen durch ihr lautes Rufen auf.
Riesenkakadus: Sie besitzen einen unverkennbaren, riesigen, bunten Schnabel.
Informationen zum Erkunden des Reiseziels Pantanal
In der Regel erfolgt die Anreise ins Pantanal per Flugzeug über die großen Drehkreuze São Paulo oder Rio de Janeiro, gefolgt von einem Inlandsflug zu den regionalen Eingangstoren.
Das Pantanal unterteilt sich in zwei Regionen mit unterschiedlichen Startpunkten:
– Nördliches Pantanal: Ausgangspunkt ist Cuiabá mit dem Flughafen CGB. Von dort aus geht es weiter nach Poconé, wo die berühmte Schotterstraße Transpantaneira befahren wird.
– Südliches Pantanal: Der Ausgangspunkt ist Campo Grande (Flughafen CGR) oder das nahegelegene Bonito (BYO). Von dort aus geht es weiter in Orte wie Miranda, Aquidauana oder Corumbá.
Transport vor Ort: Mietwagen oder Transfer. Viele Lodges bieten organisierte Transfers ab den Flughäfen an. Wer auf eigene Faust reisen möchte, benötigt im Norden (Transpantaneira) oder Süden (Estrada Parque) je nach Jahreszeit oft ein Auto mit Allradantrieb.
Fernbusse fahren von São Paulo oder Rio de Janeiro nach Cuiabá und Campo Grande, die Fahrt dauert jedoch 18 bis 32 Stunden.
Erkunden Sie die einzigartige Artenvielfalt dieses Feuchtgebiets und kommen Sie mit auf eine Jaguar-Safari im Pantanal!
Nicht weit davon entfernt lockt bereits das nächste UNESCO-Naturerbe: die faszinierenden Iguazú-Wasserfälle.